13.Oktober 2007
Lieber Herr Ehlers,
der Ball ist rund, der Jens Lehmann ein ganz Netter, der Jogis Kritik nicht verdient und der allerbeste (nach meinem Papa) ist der Thorsten Frings. Aber dazu später. Der Delling kauderweltscht doch gerade so schön.
Ja ich gebe zu, ich habs schleifen lassen mit der Schreiberei mit der Ausrede, Ihnen, Herr Ehlers, mehr bieten zu können. Jetzt allerdings kann ich mich an fast nichts mehr erinnern, was in diesen knapp zwei Wochen passiert ist.
Aber die Wochenenden waren so voll gepackt, dass ich zweifelsohne zum Held der Arbeit gekürt werden könnte. Vorletzten Freitag wurde ich gekidnappt. Es war der Vorabend der Petermännchen-Regatta, die schon ein großes Ding in unserem Verein ist. Lässig wie Cowboys enterten wir zu dritt das Regattabüro und hätte es schwingende Saloon-Türen gegeben, WIR hätten sie zuschlagen können. Mit dementsprechenden Jubelstürmen wurden wir begrüßt und holterdipolter wurde ich vom Vereinsvorsitzenden dazu verdonnert, der dritte Schiedrichter zu werden. Ja gut, ich war ganz schön überrumpelt. Der erste Regattatag am Samstag verlief ungefähr so: Herr Ehlers, Sie haben Null Komman Nichts gesehen? Richtig, denn es war gar nichts los. Flaute. Aber am Sonntag wars dann besser. Also saß ich als dritte Schiedrichterin achtern in diesem klapprigen Motorboot und ließ mich durch die Gegend chauffieren, während ich hoffte, dass nichts passieren würde und ich nichts zu entscheiden hätte.
Oh Moment, aufstehen: Nationalhymne. Mögen Sie eigentlich Fußball, Herr Ehlers?
Naja, zum Glück hatte ich nichts zu entscheiden und der einzige angemeldete Protest wurde zurückgezogen. Wer protestiert denn bitte auch aufm Sonntag, Herr Ehlers?
Und an diesem Wochenende, besser gesagt, gestern am Freitag Abend und heute war ich in der Schule. Herr Ehlers, ich will Ihnen nicht unterstellen, dass Sie ungebildete Buchstabenzusammenstellungen wie HÄ? benutzen, aber sicherlich werden Sie sich doch wundern, was ich schlaues Mädchen es nötig habe, auch am Wochenende in die Schule zu gehen. Meine Schule ist übrigens ein humanitäres Altsprachengymnasium mit dem optimistischen Motto: errare humanum est - Irren ist Menschlich. Am Altsprachengymnasium werden Sprachen unterrichtet wie Latein oder Altgriechisch und Gerüchten zu Folge sogar auch Hebräisch. Ja, an so einen Ort der Bildung zieht es mich sogar am Wochenende, aber eigentlich nur an diesem, denn es fanden Vorträge, Podiumsdiskussionen und Workshops zum Thema Studienfrühorientierung statt. Herr Ehlers, vielleicht wird es Sie interessieren, ich nahm an Workshops zum Thema Design teil, denn nach wie vor ziehe ich es in Betracht, Mediendesignerin zu werden. Denn soweit ich weiß, studierte Ihre Freundin ( verzeihen Sie mir diese nicht so förmliche Bezeichnung, das von mir präferierte Wort “Lebensabschnittsgefährtin” wurde beim Lektorat meiner Eltern verworfen. Um kein Unwort zu benutzen: C’est une connerie wie wir Sprachgymnasiasten sagen.) doch Gebrauchsdesign. Das ist übrigens das einzige, was ich von Ihnen weiß, abgesehen davon, dass Sie in Gold- oder Glückstadt wohnen. Jedenfalls war es etwas romantisch-märchenhaft-angehauchtes mit G am Anfang.
Die Iren haben eine digitale Bandenwerbung. Das ist auch immer eine Wirtschaft für sich, oder, Herr Ehlers? Wäre Fußball so ein Volkssport, wenn es nicht soviel Werbung geben würde? Und wäre Fußball dann ein Hobby der Intellektuellen oder der weniger Denkstarken? Aber Herr Ehlers, können Sie sich Fußball ohne philosophische Ergüsse wie: “Hauptsache wir gewinnen, alles andere ist primär.” vorstellen?
Außerdem möchte ich Ihnen, Herr Ehlers, meine neueste Errungenschaft vorstellen: sogenannte Ballerinas. Das sind flache bequeme Schuhe, die zur Zeit sehr modern und beliebt sind, jedoch den Zenit ihres hochmodernen Daseins im Allgemeinen schon erlebt haben.
Herr Ehlers, es ist Halbzeitpause. Ich werd dann mal die vor Aufregung durchgeschwitzten weißen Tennissocken in die Wäsche schmeißen und den dritten Sechserpack kaltstellen.
Bis Bald,
Ihre Marie![]()
28.September 07
Lieber Herr Ehlers,
habe beschlossen, einen Blog zuschreiben. Weil mir nichts besseres eingefallen ist, benutze ich Sie als Ansprechpartner, an den diese Blogs gerichtet sind. Ich hoffe, Sie, Herr Ehlers, haben da kein Problem mit, da Sie ja weitestgehend anonym bleiben. Ich verrate hier nur soviel, dass Sie ein Kollege meines Vaters sind. In Ordnung? Da mein Vater Ihnen, Herr Ehlers, anscheinend sowieso schon viel über mich erzählt, möchte ich Ihr Wissen über mich und was ich so mache gerne vervollständigen!
Jetzt ist zum Glück Wochenende. Und das fünf Tage lang! Um das zu feiern, habe ich vorhin auch glatt bei einem guten Freund ein paar Partien Poker gespielt. Das Spiel ist ja seit dem neuen James Bond Film “Casino Royale” sehr beliebt geworden. Und das zurecht! Haben Sie, Herr Ehlers, den Film eigentlich gesehen? Ich war zusammen mit meinem Vater im Kino, da wir beide begeisterte 007-Anhänger sind. Allerdings beging ich damals den Fehler, den Abend, den ich ja nur mit meinem Vater verbrachte, “Männerabend” zu nennen, denn schließlich ist James Bond ja wohl eine Männersache, oder, Herr Ehlers? Jedenfalls brannte daraufhin ein Diskussion mit meiner Mutter auf, dass ich ja ruhig mal mehr Mädchen sein könnte, so mit Kleidchen und Schleifchen, verstehen Sie, Herr Ehlers? Mittlerweile hat sie sich aber wohl damit abgefunden, dass ich keine Kleider trage, aber ich denke, ich habe mich auch schon gebessert und bin mehr Mädchen.
Dafür hatten wir diese Woche wieder eine Diskussion mit verhärteten Fronten: Tattoo ja oder nein?! Herr Ehlers, ich weiß, Sie werden denken: “Ja, sie ist jetzt fast 16. Das ist so eine Phase, da kommt sie schon wieder von ab.” Kann ich verstehen. Aber ich find Tattoos einfach schick, natürlich nicht alle und schon gar nicht überall. Auch sollten Tattoos nicht ohne Sinn und Verstand alle Haut bedecken, sondern meiner Meinung nach, möglichst eine tiefere Bedeutung haben und den Körper verschönern. Zum Beispiel spiele ich mit dem Gedanken, mir mit Vollendung des 18. Lebensjahres den Buchstaben K auf die Innenfläche des Handgelenks tätowieren zu lassen. Zum einen, weil es mich früher, als ich noch klein und naiv war, sehr traurig gemacht hat, dass ich die Letzte mit meinem Nachnamen bin, denn Nachnamen bei Ehe behalten, halte ich für keine gute Idee. Und außerdem soll das K noch für Kim stehen, denn so werde ich entweder mein erstes Kind oder eine Firma/Agentur, die ich gründen werde, nennen, denn ich mag den Namen sehr. Finden Sie daran jetzt irgendetwas unvernünftig, Herr Ehlers? Nein? Lassen Sie das bloß nicht meine Eltern hören. Die sind nämlich fest davon überzeugt, mich zu enterben, wenn ich mich tätowieren lasse. Egal, ob volljährig oder nicht. Schweinerei oder? Wie gesagt, so siehts aus, das ist der Stand der Dinge. Keine Partei ist kompromissbereit. Ich denke, diese Diskussion wird sich noch in die Länge ziehen. Aber, Herr Ehlers, keine Angst, ich werde Sie regelmäßig auf dem Laufenden halten.
Jetzt ist aber Schluss mit lustig, ich muss mich noch ein wenig im weltweiten Netz über Tipps und Tricks des Pokerspiels schlau machen.
Bis Bald, Herr Ehlers,
Ihre Marie